IEEE Ethernet

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IEEE 802.3 – Ethernet

Überblick

IEEE 802.3 ist der grundlegende Standard für kabelgebundene lokale Netzwerke (LAN). Er definiert die physikalische Schicht (Layer 1) und die Sicherungsschicht (Layer 2, genauer: den MAC-Sublayer) des OSI-Modells. Der Standard wurde 1983 erstmals verabschiedet und seither kontinuierlich erweitert.

Ethernet ist heute die dominierende Technologie für kabelgebundene Netzwerke in Unternehmens-, Rechenzentrums- und Heimumgebungen.

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Grundlagen: Wie funktioniert Ethernet?

Rahmenstruktur (Ethernet Frame)

Jede Ethernet-Übertragung erfolgt in Frames (Rahmen). Ein Ethernet-Frame nach IEEE 802.3 hat folgende Struktur:

Feld Größe Beschreibung
Preamble 7 Byte Synchronisierungssequenz (Bitmuster 10101010…)
Start Frame Delimiter (SFD) 1 Byte Markiert den Beginn des Frames (10101011)
Destination MAC 6 Byte MAC-Adresse des Empfängers
Source MAC 6 Byte MAC-Adresse des Senders
EtherType / Länge 2 Byte Protokolltyp (z. B. 0x0800 = IPv4, 0x86DD = IPv6, 0x8100 = VLAN)
Payload (Nutzdaten) 46–1500 Byte Eigentliche Daten (z. B. IP-Paket)
Frame Check Sequence (FCS) 4 Byte CRC-32-Prüfsumme zur Fehlererkennung
  • Minimale Framegröße: 64 Byte (inkl. Header, ohne Preamble/SFD)
  • Maximale Framegröße (Standard): 1518 Byte (ohne VLAN-Tag) bzw. 1522 Byte (mit 802.1Q VLAN-Tag)
  • Jumbo Frames: Hersteller-spezifische Erweiterung auf bis zu 9000 Byte Payload – nicht durch IEEE 802.3 standardisiert, aber in Rechenzentren verbreitet

MAC-Adressen

Jedes Netzwerkgerät besitzt eine weltweit eindeutige MAC-Adresse (Media Access Control Address):

  • Länge: 48 Bit (6 Byte), dargestellt als Hexadezimalzahl, z. B. 00:1A:2B:3C:4D:5E
  • Aufbau: Die ersten 3 Byte sind der OUI (Organizationally Unique Identifier) des Herstellers, die letzten 3 Byte sind gerätespezifisch
  • Bit 0 von Byte 1: 0 = Unicast, 1 = Multicast
  • Bit 1 von Byte 1: 0 = global vergeben (OUI), 1 = lokal administriert

Sonderadressen:

  • FF:FF:FF:FF:FF:FF – Broadcast (an alle Geräte im Segment)
  • 01:00:5E:xx:xx:xx – IPv4-Multicast

CSMA/CD – Kollisionsvermeidung (historisch)

Frühe Ethernet-Varianten (10BASE-T, Halbduplex) nutzen CSMA/CD (Carrier Sense Multiple Access with Collision Detection):

  1. Carrier Sense: Gerät prüft, ob das Medium frei ist
  2. Multiple Access: Mehrere Geräte teilen sich das Medium
  3. Collision Detection: Wird eine Kollision erkannt, senden alle Beteiligten ein Jam-Signal und warten eine zufällige Zeit (Binary Exponential Backoff)

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Duplex-Modi

Modus Beschreibung Typischer Einsatz
Halbduplex Senden oder Empfangen – nicht gleichzeitig. CSMA/CD aktiv. Alte Hubs, Legacy-Geräte
Vollduplex Senden und Empfangen gleichzeitig. Kein CSMA/CD. Alle modernen Switch-Verbindungen

Fast Ethernet – IEEE 802.3u (100 Mbit/s)

Entstehung

Fast Ethernet wurde 1995 mit dem Amendement IEEE 802.3u eingeführt, um die Bandbreite gegenüber dem klassischen 10-Mbit/s-Ethernet (10BASE-T) auf 100 Mbit/s zu steigern. Die Rückwärtskompatibilität zu 10BASE-T (gleiches Kabel, gleiche RJ45-Stecker) war dabei ein wesentliches Designziel.

Fast Ethernet führte auch das Auto-Negotiation-Verfahren ein, mit dem Geräte automatisch die beste gemeinsam unterstützte Geschwindigkeit und den Duplex-Modus aushandeln.

Varianten

Bezeichnung Medium Max. Reichweite Leitungscode Besonderheit
100BASE-TX Cat5 (2 Paare, UTP/STP) 100 m 4B5B + MLT-3 Standardvariante, heute überall verbaut
100BASE-FX Multimode-Glasfaser (2 Fasern) 412 m (HD) / 2000 m (FD) 4B5B + NRZI Für längere Strecken oder EMV-sichere Umgebungen
100BASE-T4 Cat3 (4 Paare) 100 m 8B6T Veraltet; war für ältere Cat3-Kabel gedacht
100BASE-T2 Cat3 (2 Paare) 100 m PAM5 Selten eingesetzt

In der Praxis ist 100BASE-TX die einzige relevante Variante.

Leitungscodierung bei 100BASE-TX

100BASE-TX verwendet eine zweistufige Codierung:

4B5B
Je 4 Datenbits werden als 5-Bit-Symbol codiert (kein langer Gleichspannungsanteil, DC-Balancing). Ergibt eine Symboldurchrate von 125 MBaud.
MLT-3 (Multi-Level Transmit 3)
Das 5-Bit-Signal wird mit drei Spannungspegeln übertragen (−1, 0, +1), was die benötigte Bandbreite des Kabels auf 31,25 MHz senkt und die Einhaltung von EMV-Grenzwerten ermöglicht.

Kabelanforderungen

Kabelkategorie 100BASE-TX
Cat3 Nein
Cat4 Nein
Cat5 Ja (Mindestanforderung)
Cat5e / Cat6 / Cat6a Ja (empfohlen, zukunftssicher)

Auto-Negotiation

Auto-Negotiation (IEEE 802.3u, Clause 28) ermöglicht es zwei verbundenen Geräten, automatisch die optimalen Betriebsparameter zu ermitteln:

  • Geschwindigkeit (10 / 100 Mbit/s)
  • Duplex (Halb / Voll)

Die Aushandlung erfolgt über Fast Link Pulse (FLP)-Bursts beim Verbindungsaufbau. Beide Seiten tauschen eine Technology Ability Field (TAF)-Bitmap aus und wählen gemeinsam die beste Option (höchste Priorät: Vollduplex mit höchster Geschwindigkeit).

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Gigabit Ethernet – IEEE 802.3ab / 802.3z (1000 Mbit/s)

Entstehung

Gigabit Ethernet (GbE) wurde in zwei getrennten Standards eingeführt:

  • IEEE 802.3z (1998): Glasfaser- und Twinax-Varianten (1000BASE-SX, -LX, -CX)
  • IEEE 802.3ab (1999): Kupfer-Variante über Cat5e (1000BASE-T)

Ziel war die Steigerung auf 1 Gbit/s bei gleichzeitiger Beibehaltung der Kompatibilität mit bestehender Kupferverkabelung (für 1000BASE-T).

Varianten

Bezeichnung Standard Medium Max. Reichweite Typischer Einsatz
1000BASE-T 802.3ab Cat5e / Cat6 (4 Paare) 100 m Desktop, Server, Standard-Switching
1000BASE-SX 802.3z Multimode-Glasfaser (MMF) 220–550 m Gebäudevernetzung, Rechenzentrums-Backbone
1000BASE-LX 802.3z Single-Mode (SMF) / MMF 550 m (MMF) / 5 km (SMF) Campus-Vernetzung, WAN-nahe Verbindungen
1000BASE-CX 802.3z Twinax (Koax-Kupfer) 25 m Selten; schnell durch SFP-DAC verdrängt
1000BASE-LX10 802.3ah SMF 10 km Gebäude-zu-Gebäude (EFM)

1000BASE-T im Detail

1000BASE-T ist die meistgenutzte Gigabit-Variante und nutzt alle 4 Adernpaare eines Cat5e/Cat6-Kabels gleichzeitig – sowohl für Sende- als auch Empfangsrichtung (Bidirektional, Vollduplex auf jedem Paar durch Hybrid-Schaltungen / Echo-Cancellation).

Leitungscodierung: 4D-PAM5

1000BASE-T verwendet 4D-PAM5 (4-dimensionales Pulsamplitudenmodulations-Verfahren mit 5 Pegeln):

  • 5 Amplitudenpegel pro Adernpaar: −2, −1, 0, +1, +2
  • Alle 4 Paare übertragen gleichzeitig
  • Symboldurchrate: 125 MBaud pro Paar
  • Effektive Datendurchrate: 4 Paare × 2 bit/Symbol × 125 MBaud = 1000 Mbit/s
  • Zusätzlich wird ein 5. Symbol-Zustand für Vorwärtsfehlerkorrektur (Trellis-Coding) genutzt

Kabelanforderungen für 1000BASE-T

Kabelkategorie 1000BASE-T
Cat5 Bedingt (nur wenn alle 4 Paare korrekt verdrahtet und Dämpfungswerte eingehalten)
Cat5e Ja (Mindestanforderung, empfohlen)
Cat6 Ja (bessere Reserven, weniger Übersprechen)
Cat6a Ja (für 10GBase-T ausgelegt, aber auch für GbE nutzbar)

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Glasfaser-Varianten im Detail

1000BASE-SX

  • Medium: Multimode-Glasfaser (MMF), typisch OM1/OM2/OM3
  • Wellenlänge: 850 nm (Kurzwelle)
  • Reichweite:
    • OM1 (62,5 µm): 220 m
    • OM2 (50 µm): 550 m
    • OM3/OM4 (50 µm, optimiert): 550 m
  • Typischer Einsatz: Serverraumvernetzung, kurze Backbone-Verbindungen

1000BASE-LX

  • Medium: Single-Mode-Glasfaser (SMF, 9 µm) oder Multimode-Glasfaser
  • Wellenlänge: 1310 nm (Langwelle)
  • Reichweite:
    • MMF (62,5 µm / 50 µm): bis 550 m (mit Mode-Konditionierungs-Patchkabel bei MMF)
    • SMF: bis 5 km
  • Typischer Einsatz: Campus-Vernetzung, Gebäude-zu-Gebäude

SFP-Module (Small Form-factor Pluggable)

Glasfaser-Gigabit-Ethernet wird in der Praxis fast ausschließlich über SFP-Module angebunden. SFP ist ein standardisierter Hot-Plug-Transceiver-Formfaktor (MSA-Standard), der in entsprechende Cage-Buchsen an Switch oder Server gesteckt wird.

Gängige SFP-Typen:

SFP-Typ Standard Reichweite Wellenlänge
SFP SX 1000BASE-SX bis 550 m 850 nm (MMF)
SFP LX 1000BASE-LX bis 5 km 1310 nm (SMF)
SFP LH / EX 1000BASE-LX10 bis 10–40 km 1310 / 1550 nm (SMF)
SFP-T (Copper SFP) 1000BASE-T bis 100 m — (RJ45)
SFP DAC bis 7 m — (Twinax-Direktkabel)

Vergleich: 10 Mbit/s – Fast Ethernet – Gigabit Ethernet

Merkmal 10BASE-T 100BASE-TX (Fast Ethernet) 1000BASE-T (Gigabit)
IEEE-Standard 802.3i (1990) 802.3u (1995) 802.3ab (1999)
Geschwindigkeit 10 Mbit/s 100 Mbit/s 1000 Mbit/s (1 Gbit/s)
Kabel Cat3 / Cat5 Cat5 (2 Paare) Cat5e (4 Paare)
Adernpaare genutzt 2 2 4
Leitungscodierung Manchester 4B5B + MLT-3 4D-PAM5
Symboldurchrate 20 MBaud 125 MBaud 125 MBaud/Paar
Duplex Halb/Voll Halb/Voll Nur Voll
CSMA/CD Ja (Halbduplex) Ja (Halbduplex) Nein
Auto-Negotiation Optional (NWAY) Ja (Standard) Ja (Standard)
Typischer Einsatz heute Legacy, IP-Telefone Ältere Geräte, einfache IoT Standard für Desktops und Server

Ausblick: 10-Gigabit-Ethernet und darüber hinaus

Nach Gigabit Ethernet folgten weitere Geschwindigkeitsstufen:

Standard Geschwindigkeit Kupfer (max.) Glasfaser (max.)
IEEE 802.3an 10GBASE-T 100 m (Cat6a)
IEEE 802.3ae 10GBASE-SR/LR 300 m / 10 km
IEEE 802.3bz 2.5GBASE-T / 5GBASE-T 100 m (Cat5e / Cat6)
IEEE 802.3ba 40G / 100G je nach Variante
IEEE 802.3bs 200G / 400G je nach Variante

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Strukturierte Verkabelung (EN 50173)

Ethernet-Verkabelung in Gebäuden folgt dem Standard EN 50173 (bzw. ISO/IEC 11801):

Primärverkabelung (Campusbereich)
Verbindung zwischen Gebäuden – typisch Glasfaser (SMF/MMF)
Sekundärverkabelung (Gebäudebereich)
Verbindung zwischen Stockwerk-Verteilern und Gebäudeverteiler – typisch Glasfaser oder Cat6a
Tertiärverkabelung (Etagenbereich)
Verbindung vom Etagenverteiler (Patchpanel) zum Anschlussdose – typisch Cat6 / Cat6a, max. 90 m Festverkabelung + 2×5 m Patchkabel = 100 m gesamt

Weiterführende Links

Siehe auch