OPNsense HA Umsetzung
Plan
| Rolle | Interface | Gerät | Identifier | IP-Adresse | Provider-Gateway |
|---|---|---|---|---|---|
| Internes Netz | LAN | em0 | lan | LAN-Netz/24 | – |
| Provider A | WAN1 | em1 | opt2 | 192.168.HS.2XX/24 | 192.168.HS.254 |
| Provider B | WAN2 | em4 | opt4 | 172.30.34.2XX/24 | 172.30.34.254 |
Hinweis: Die Identifier (opt1, opt2, opt3 …) vergibt OPNsense in der Reihenfolge, in der die Interfaces angelegt werden. Sie müssen nicht fortlaufend zu den Gerätenamen passen – wichtig ist nur, dass sie in Gateways, DNS und Regeln konsistent referenziert werden.
In dieser Umsetzung ist WAN2 die primäre Leitung (Tier 1). WAN1 dient als Backup (Tier 2).
Was müssen wir tun?
- 2 WAN-Interfaces anlegen
- 2 Gateways definieren
- Eine Gatewaygruppe erstellen
- Die Internetleitungen überwachen (Healthcheck über Monitor-IP)
- Eine Entscheidungsinstanz schaffen: die Gatewaygruppe entscheidet über Tier und Trigger Level
- Zuordnung klären: Policy Routing über die Gateway-Angabe in der Firewallregel
- DNS-Server pro Leitung zuordnen
- Firewallregeln anpassen (Reihenfolge beachten!)
- NAT-Regeln anpassen
- Szenarien testen
Konfiguration
Interface WAN1
Interfaces: [WAN1]
| Feld | Wert |
|---|---|
| Enable | aktiv |
| Device | em1 |
| Description | WAN1 |
| Block private networks | aus |
| Block bogon networks | aus |
| IPv4 Configuration Type | Static IPv4 |
| IPv6 Configuration Type | None |
| IPv4 address | 192.168.HS.2XX/24 |
| IPv4 Upstream Gateway | WAN1GW |
Wichtig: Die Präfixlänge /24 darf nicht fehlen, sonst wird das Interface mit /32
angelegt und das Gateway ist nicht erreichbar.
Interface WAN2
Interfaces: [WAN2]
| Feld | Wert |
|---|---|
| Enable | aktiv |
| Device | em4 |
| Description | WAN2 |
| Block private networks | aus |
| Block bogon networks | aus |
| IPv4 Configuration Type | Static IPv4 |
| IPv6 Configuration Type | None |
| IPv4 address | 172.30.34.2XX/24 |
| IPv4 Upstream Gateway | WAN2GW |
Einstellen der Gateways
System: Gateways: Configuration
| Feld | GW1 | GW2 |
|---|---|---|
| Name | WAN1GW | WAN2GW |
| Interface | WAN1 | WAN2 |
| Address Family | IPv4 | IPv4 |
| IP Address | 192.168.HS.254 | 172.30.34.254 |
| Upstream Gateway | aktiv | aktiv |
| Far Gateway | aus | aus |
| Disable Gateway Monitoring | aus | aus |
| Monitor IP | 9.9.9.9 | 208.67.222.222 |
| Priority | 255 | 254 |
Drei Punkte, die häufig falsch gemacht werden:
- Upstream Gateway muss bei beiden Gateways gesetzt sein. Es kennzeichnet ein Gateway als
Internet-Ausgang; ist es nur bei einem gesetzt, verhält sich das Failover unvorhersehbar.
- Die Monitor-IPs müssen bei verschiedenen Betreibern liegen und dürfen nicht mit den
DNS-Servern identisch sein. 8.8.8.8 und 8.8.4.4 gehören beide Google: fällt Google aus, werden beide Leitungen als tot gemeldet. Für jede Monitor-IP legt OPNsense zusätzlich eine Hostroute über das jeweilige Gateway an; benutzt man dieselbe IP auch als DNS-Server, überlagern sich Hostroute und DNS-Zuordnung.
- Die niedrigere Priority gewinnt bei der Wahl des Default-Gateways. Das Default-Gateway
bestimmt den Ausgang für den Eigenverkehr der Firewall (Updates, NTP, rekursiver Resolver) – es ist unabhängig von der Gatewaygruppe. Damit die primäre Leitung WAN2 auch das Default-Gateway stellt, bekommt WAN2GW die niedrigere Priority (254) und WAN1GW die höhere (255). Stünden beide gleich, wäre die Wahl zufällig.
Einstellen der Gatewaygruppe
System: Gateways: Group
| Feld | Wert |
|---|---|
| Group Name | GW_GROUP |
| Gateway Priority | WAN2GW = Tier 1, WAN1GW = Tier 2 |
| Trigger Level | Member Down |
| Pool Options | Default |
| Ziel | Tier-Vergabe | Trigger Level |
|---|---|---|
| Failover (Standard hier) | WAN2GW = Tier 1, WAN1GW = Tier 2 | Member Down |
| Lastverteilung | beide Tier 1 | Packet Loss or High Latency |
Bei Lastverteilung zusätzlich Firewall: Settings: Advanced → Sticky connections aktivieren, sonst wechseln einzelne Verbindungen desselben Clients die Leitung.
Merke: Tier steuert das Failover des Client-Verkehrs (über die Firewallregel mit GW_GROUP). Die Priority steuert das Default-Gateway (Eigenverkehr der Firewall). Beide müssen zusammenpassen – sonst laufen Nutzverkehr und DNS über verschiedene Leitungen, und das Verhalten wirkt widersprüchlich.
DNS pro Leitung
System: Settings: General
| DNS Server | Use gateway |
|---|---|
| 8.8.8.8 | WAN1GW |
| 1.1.1.1 | WAN2GW |
- Prefer IPv4 over IPv6: aktiv
- Die Zuordnung sorgt dafür, dass jeder DNS-Server über „seine“ Leitung befragt wird. Fällt eine
Leitung aus, bleibt der andere Resolver erreichbar.
- Voraussetzung: Die „Use gateway“-Zuordnung greift nur, wenn Unbound im Forwarding-Modus
läuft (Services: Unbound DNS: General → Enable Forwarding Mode). Im Standard-Resolving-Modus löst Unbound rekursiv selbst auf und geht dabei über das Default-Gateway – dann ist die Zuordnung wirkungslos.
NAT auf beiden WAN-Interfaces
Firewall: NAT: Outbound – manuelle Regeln (Protokoll und Ports jeweils *, IPv4)
| # | Interface | Source | Destination | Translate / target | Beschreibung |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | WAN1 | LAN network | * | Interface address | LAN ins Internet |
| 2 | WAN1 | SERVER network | * | Interface address | SERVER ins Internet |
| 3 | WAN1 | DMZ network | ! 10.88.0.0/16 |
Interface address | DMZ ins Internet – kein NAT zu den anderen DMZs |
| 4 | WAN2 | LAN network | * | Interface address | LAN ins Internet |
| 5 | WAN2 | SERVER network | * | Interface address | SERVER ins Internet |
| 6 | WAN2 | DMZ network | ! 10.88.0.0/16 |
Interface address | DMZ ins Internet – kein NAT zu den anderen DMZs |
Das Ausrufezeichen vor dem Zielnetz invertiert die Bedingung: Die Regel greift für alle Ziele
außer 10.88.0.0/16. Verkehr aus der DMZ zu den übrigen internen Netzen wird
also nicht übersetzt und behält seine Quelladresse – nur so bleiben Logs und Firewallregeln
auf den Zielsystemen auswertbar.
Jede Regel existiert doppelt, einmal je WAN-Interface. Das ist bei Multiwan zwingend: Welche Leitung genutzt wird, entscheidet das Policy Routing der Firewallregel; die passende NAT-Regel muss auf beiden Wegen bereitstehen.
Firewallregeln mit Gateway-Gruppe
Firewall: Rules: LAN – die Reihenfolge ist entscheidend:
| # | Action | Source | Destination | Gateway | Zweck |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Pass | LAN net | This Firewall | leer (default) | DNS, NTP, Web-GUI |
| 2 | Pass | LAN net | Alias LOKALE_NETZE | leer (default) | interne Netze, DMZ, VPN |
| 3 | Pass | LAN net | any | GW_GROUP | Internetverkehr über die Gruppe |
Regel 3 im Detail:
| Feld | Wert |
|---|---|
| Action | Pass |
| Quick | aktiv |
| Interface | LAN |
| Direction | in |
| TCP/IP Version | IPv4 |
| Protocol | any |
| Source | LAN net |
| Destination | any |
| Description | LAN to any über Gateway-Gruppe |
| Gateway | GW_GROUP |
Der klassische Fehler: Nur eine einzige Regel mit Gateway GW_GROUP. Eine Gateway-Angabe erzwingt Policy Routing für alles, was auf die Regel passt – auch für Pakete an die DMZ, an VPN-Gegenstellen und an die Firewall selbst. Diese Pakete werden dann in Richtung Internet geschickt und verschwinden. Deshalb müssen die Regeln 1 und 2 ohne Gateway-Angabe darüber stehen.
Der Alias LOKALE_NETZE (Firewall: Aliases, Typ Network) enthält alle eigenen
Netze, z. B. die LAN-, DMZ- und VPN-Bereiche.
Firewall: Settings: Advanced
| Option | Empfehlung | Wirkung |
|---|---|---|
| Skip rules when gateway is down | aktiv | Bei totem Gateway wird die Regel entfernt statt auf das Default-Gateway zurückzufallen – verhindert stillen Rückfall auf die falsche Leitung |
| Allow default gateway switching | aktiv | Fällt das Default-Gateway (WAN2GW) aus, zieht OPNsense das Default automatisch auf WAN1GW – so folgt auch der Eigenverkehr der Firewall (inkl. rekursivem DNS) der aktiven Leitung |
| Sticky connections | nur bei Lastverteilung | hält alle Verbindungen eines Clients auf derselben Leitung |
Szenarien testen
Welche Public-IP je Leitung anliegt, prüft man direkt an den WAN-Geräten:
curl -sS -4 --interface em1 ifconfig.co 62.159.72.206 curl -sS -4 --interface em4 ifconfig.co 194.59.156.244
Zieladresse für den Traceroute-Test bewusst wählen: weder eine Monitor-IP (9.9.9.9, 208.67.222.222) noch einen der konfigurierten DNS-Server (8.8.8.8, 1.1.1.1) nehmen. OPNsense legt für diese Adressen Hostrouten über eine feste Leitung an – dann misst man nicht die Gatewaygruppe, sondern die Hostroute.
| Szenario | Vorgehen | Erwartetes Ergebnis |
|---|---|---|
| Normalbetrieb | traceroute -n heise.de von der Firewall |
erster externer Hop 172.30.34.254 (WAN2GW, Tier 1) |
| Ausfall WAN2 | Kabel in VirtualBox trennen | Dashboard zeigt WAN2GW offline, Verkehr läuft über 192.168.HS.254 (WAN1GW) |
| Rückkehr WAN2 | Kabel wieder verbinden | WAN2GW wieder online, neue Verbindungen laufen über WAN2 |
| DNS-Test | dig @8.8.8.8 und dig @1.1.1.1 |
beide antworten, jeder über seine Leitung |
| Zugriff intern | Ping in DMZ bei totem WAN2 | funktioniert weiter (Regel 2 ohne Gateway) |
Wer routet gerade wohin? Drei Instanzen entscheiden unabhängig und lassen sich getrennt ablesen:
- das Default-Gateway (Eigenverkehr der Firewall) unter Interfaces: Diagnostics: Routes
- die States (welche Verbindung über welches Interface läuft) unter Firewall: Diagnostics: States
- das Policy Routing der Gruppe – Statuswechsel mit Zeitstempel im System: Gateways: Log File
Nach einem Failover ist für ~10–20 s ein Mischbild normal: bestehende States bleiben auf der alten Leitung, bis sie ablaufen; nur neue Verbindungen nehmen sofort den neuen Weg.
Weitere Statusanzeige: Lobby: Dashboard (Widget Gateways).
