OPNsense 2 Provider

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Plan

Rolle Interface Gerät Identifier IP-Adresse Provider-Gateway
Internes Netz LAN em0 lan LAN-Netz/24
Provider A WAN1 em1 opt3 10.88.1.34/24 10.88.1.1
Provider B WAN2 em3 opt2 10.99.99.34/24 10.99.99.1

Hinweis: Die Identifier (opt1, opt2, opt3 …) vergibt OPNsense in der Reihenfolge, in der die Interfaces angelegt werden. Sie müssen nicht fortlaufend zu den Gerätenamen passen – wichtig ist nur, dass sie in Gateways, DNS und Regeln konsistent referenziert werden.

Was müssen wir tun?

  • 2 WAN-Interfaces anlegen
  • 2 Gateways definieren
  • Eine Gatewaygruppe erstellen
  • Die Internetleitungen überwachen (Healthcheck über Monitor-IP)
  • Eine Entscheidungsinstanz schaffen: die Gatewaygruppe entscheidet über Tier und Trigger Level
  • Zuordnung klären: Policy Routing über die Gateway-Angabe in der Firewallregel
  • DNS-Server pro Leitung zuordnen
  • Firewallregeln anpassen (Reihenfolge beachten!)
  • NAT-Regeln anpassen
  • Szenarien testen

Voraussetzungen

  • Virtuelle Maschine mit 5 Netzwerkschnittstellen (VirtualBox: LAN, WAN1, WAN2, DMZ, Reserve)
  • Zeitzone unter System: Settings: General auf Europe/Berlin setzen (nicht Etc/UTC)
  • Systemdomain prüfen: it34.xinux.de

Konfiguration

Interface WAN1

Interfaces: [WAN1]

Feld Wert
Enable aktiv
Device em1
Description WAN1
Block private networks aus (im Labor sind die Provider-Netze privat!)
Block bogon networks aus
IPv4 Configuration Type Static IPv4
IPv6 Configuration Type None
IPv4 address 10.88.1.34 / 24
IPv4 Upstream Gateway GW1

Wichtig: Die Präfixlänge /24 darf nicht fehlen, sonst wird das Interface mit /32 angelegt und das Gateway ist nicht erreichbar.

Interface WAN2

Interfaces: [WAN2]

Feld Wert
Enable aktiv
Device em3
Description WAN2
Block private networks aus
Block bogon networks aus
IPv4 Configuration Type Static IPv4
IPv6 Configuration Type None
IPv4 address 10.99.99.34 / 24
IPv4 Upstream Gateway GW2

Einstellen der Gateways

System: Gateways: Configuration

Feld GW1 GW2
Name GW1 GW2
Interface WAN1 WAN2
Address Family IPv4 IPv4
IP Address 10.88.1.1 10.99.99.1
Upstream Gateway aktiv aktiv
Far Gateway aus aus
Disable Gateway Monitoring aus aus
Monitor IP 8.8.8.8 1.1.1.1
Priority 254 255

Zwei Punkte, die häufig falsch gemacht werden:

  • Upstream Gateway muss bei beiden Gateways gesetzt sein. Es kennzeichnet ein Gateway als
 Internet-Ausgang; ist es nur bei einem gesetzt, verhält sich das Failover unvorhersehbar.
  • Die Monitor-IPs müssen bei verschiedenen Betreibern liegen und dürfen nicht mit den
 DNS-Servern identisch sein. 8.8.8.8 und 8.8.4.4 gehören beide Google: fällt Google aus, werden
 beide Leitungen als tot gemeldet. Für jede Monitor-IP legt OPNsense zusätzlich eine Hostroute über
 das jeweilige Gateway an; benutzt man dieselbe IP auch als DNS-Server, überlagern sich Hostroute
 und DNS-Zuordnung.
  • Die niedrigere Priority gewinnt bei der Wahl des Default-Gateways. Stehen beide auf 255,
 ist die Wahl zufällig.

Einstellen der Gatewaygruppe

System: Gateways: Group

Feld Wert
Group Name GW_GROUP
Gateway Priority GW1 = Tier 1, GW2 = Tier 2
Trigger Level Member Down
Pool Options Default
Ziel Tier-Vergabe Trigger Level
Failover (Standard hier) GW1 = Tier 1, GW2 = Tier 2 Member Down
Lastverteilung beide Tier 1 Packet Loss or High Latency

Bei Lastverteilung zusätzlich Firewall: Settings: AdvancedSticky connections aktivieren, sonst wechseln einzelne Verbindungen desselben Clients die Leitung.

DNS pro Leitung

System: Settings: General

DNS Server Use gateway
9.9.9.9 GW1 – opt3 – 10.88.1.1
1.0.0.1 GW2 – opt2 – 10.99.99.1
  • Prefer IPv4 over IPv6: aktiv
  • Die Zuordnung sorgt dafür, dass jeder DNS-Server über „seine“ Leitung befragt wird. Fällt eine
 Leitung aus, bleibt der andere Resolver erreichbar.

NAT auf beiden WAN-Interfaces

Firewall: NAT: Outbound

Feld Wert
Mode Hybrid outbound NAT rule generation
Interface Source Source Port Destination Dest. Port NAT Address NAT Port Static Port
WAN1 LAN net * * * Interface address * NO
WAN2 LAN net * * * Interface address * NO

Warum Hybrid statt Manual: Im Modus Manual verschwinden alle automatisch erzeugten Regeln – also auch NAT für VPN-Netze, für die Firewall selbst (Loopback) und die Static-Port-Regel für ISAKMP (UDP 500). Hybrid behält die automatischen Regeln und stellt die eigenen davor. Wer bewusst Manual fahren will, muss zusätzlich Regeln für alle weiteren internen Netze (DMZ, VPN) und 127.0.0.0/8 anlegen.

Firewallregeln mit Gateway-Gruppe

Firewall: Rules: LANdie Reihenfolge ist entscheidend:

# Action Source Destination Gateway Zweck
1 Pass LAN net This Firewall leer (default) DNS, NTP, Web-GUI
2 Pass LAN net Alias LOKALE_NETZE leer (default) interne Netze, DMZ, VPN
3 Pass LAN net any GW_GROUP Internetverkehr über die Gruppe

Regel 3 im Detail:

Feld Wert
Action Pass
Quick aktiv
Interface LAN
Direction in
TCP/IP Version IPv4
Protocol any
Source LAN net
Destination any
Description LAN to any über Gateway-Gruppe
Gateway GW_GROUP

Der klassische Fehler: Nur eine einzige Regel mit Gateway GW_GROUP. Eine Gateway-Angabe erzwingt Policy Routing für alles, was auf die Regel passt – auch für Pakete an die DMZ, an VPN-Gegenstellen und an die Firewall selbst. Diese Pakete werden dann in Richtung Internet geschickt und verschwinden. Deshalb müssen die Regeln 1 und 2 ohne Gateway-Angabe darüber stehen.

Der Alias LOKALE_NETZE (Firewall: Aliases, Typ Network) enthält alle eigenen Netze, z. B. die LAN-, DMZ- und VPN-Bereiche.

Firewall: Settings: Advanced

Option Empfehlung Wirkung
Skip rules when gateway is down aktiv Bei totem Gateway wird die Regel entfernt statt auf das Default-Gateway zurückzufallen – verhindert stillen Rückfall auf die falsche Leitung
Sticky connections nur bei Lastverteilung hält alle Verbindungen eines Clients auf derselben Leitung

Szenarien testen

Szenario Vorgehen Erwartetes Ergebnis
Normalbetrieb traceroute 9.9.9.9 vom Client erster Hop 10.88.1.1 (GW1)
Ausfall WAN1 Kabel in VirtualBox trennen Dashboard zeigt GW1 offline, Verkehr läuft über 10.99.99.1
Rückkehr WAN1 Kabel wieder verbinden GW1 wieder online, neue Verbindungen laufen über GW1
DNS-Test dig @9.9.9.9 und dig @1.0.0.1 beide antworten, jeder über seine Leitung
Zugriff intern Ping in DMZ bei totem WAN1 funktioniert weiter (Regel 2 ohne Gateway)

Statusanzeigen: Lobby: Dashboard (Widget Gateways), System: Gateways: Log File sowie Interfaces: Diagnostics: Routes.

Umsetzung